Oberbayerisches Volksblatt, Rosenheim, 07. Nov. 2007

Kaufhaus der Hoffnung

Kleidung, Spielzeug, Möbel, Bücher, Elektrogeräte und Geschirr - bei «Gate» in der Finsterwalderstraße 48 gibt es fast alles, was es in anderen Kaufhäusern auch gibt. Doch «Gate» ist ein Integrationsbetrieb.

Sein Ziel: Ehemaligen suchtkranken und langzeitarbeitslosen Menschen durch eine Job- oder Praktikumsstelle eine Chance auf ein geregeltes Leben geben. Träger der gemeinnützigen GmbH ist der katholische Deutsche Orden, der auch viele Altenheime, Suchtkliniken und Behinderteneinrichtungen in ganz Deutschland betreibt.
«Gate» ist ein Gebrauchtwarenkaufhaus und wurde vor zwei Jahren in der Finsterwalderstraße eröffnet. Hauptsächlich kaufen dort sozial Schwache oder ausländische Familien aus der näheren Umgebung ein. Doch Geschäftsführer Alain Cullmann würde sich wünschen, dass «Gate» auch zu einem Begriff bei der «breiten Rosenheimer Bevölkerung» wird.
Denn neben vielen nützlichen, gebrauchten und noch gut erhaltenen Dingen gibt es in den rund 800 Quadratmeter großen Räumlichkeiten auch immer wieder einmal interessante Raritäten und Antiquitäten zu entdecken.
«Bei uns kann man auch teilweise sehr wertvolle, alte Dinge, wie etwa uralte Möbel, finden», so Cullmann. Außerdem gelangen oft auch so ausgefallene Dinge wie etwa ein ausgestopfter, riesiger Bisonkopf in das Kaufhaus. Hauptsächlich stammt das Warenangebot des Gebrauchtwaren-Kaufhauses aus Entrümpelungen. Die führen die Mitarbeiter des Integrationsbetriebs selbst durch.
Beschäftigt sind bei «Gate» ehemalige Drogenabhängige und Langzeitarbeitslose. Vier Kräfte sind auf «400-Euro-Basis» tätig, fünf Mitarbeiter haben einen «Ein-Euro-Job». Dazu kommen immer noch Praktikanten, die sich alle drei bis vier Wochen abwechseln.
Zusammengearbeitet wird mit der Suchtklinik «Alpenland» in Bad Aibling. Dort werden Patienten ausgewählt, die für das Integrationsprojekt in Frage kommen.
Bei «Gate» werden sie dann je nach Talent und Interesse in den verschiedenen Bereichen des Betriebes eingeteilt. Angeboten werden auch ein Heim- und Handwerkerservice, Unterstützung im Haushalt in Form von Bügeln und Reinigen und eben Entrümpelungen.
Mit seinen Mitarbeitern muss Geschäftsführer Cullmann, ein gelernter Psychologe, oft viel Geduld und Einfühlungsvermögen aufbringen. Alkohol sei eines der größten Suchtprobleme. Doch auch die Zahl derer, die von mehreren Drogen gleichzeitig abhängig sind, nehme zu. Besonders erschreckend sei dabei, so Cullmann, dass die Süchtigen immer jünger werden: «Ich befürchte schon, dass sie bald mit einem Teddybären unter dem Arm zu uns kommen.» Hauptdroge sei nach wie vor Heroin.
Für die Zukunft hofft der Geschäftsführer, dass noch mehr Kunden das Gebrauchtwarenhaus besuchen, denn «sie tun damit ein gutes Werk.»

Geöffnet ist «Gate» montags bis freitags von 9 bis 12 und von 13 bis 18 Uhr und am Samstag von 9 bis 15 Uhr. Weitere Informationen gibt es unter der Telefonnummer 3046987.